Quelle: Barmstedter Zeitung vom 15.04.2026

Heinrich Rantzau und seine Planetentafel – Michael Theilig (links) und Hans-Albrecht Hewicker liefern in der neuen Rantzauer Ausstellung den Schlüssel zum Gelehrten und Politiker, der den Norden geprägt hat wie kein anderer. FOTO: PIERRE DROSTE
Schleswig-Holstein feiert ein Jahr lang seinen wohl wichtigsten Mann. Das Museum der Grafschaft Rantzau in Barmstedt widmet sich einem der spannendsten Aspekte des Lebens von Heinrich Rantzau – mit Leihgaben aus den großen deutschen Museen und spektakulären Exponaten aus seinem Eigenbesitz.
Die neue Sonderausstellung im Museum der Grafschaft Rantzau hat es in sich. Schleswig-Holstein feiert das Rantzau-Jahr zu Ehren seines bedeutendsten Reformers, und auf der Barmstedter Schlossinsel wird dazu die wohl interessanteste Ausstellung gezeigt: „Heinrich Rantzau und die Sterne“ beleuchtet die Emanzipation des Menschen von herrschaftlicher Autorität und kirchlicher Deutungshoheit und stellt das gleichzeitig in Bezug zum aufkeimenden Barmstedt des 16. Jahrhunderts.
Barmstedter Museum zeigt Rantzau-Leihgaben
Mit spektakulären Leihgaben aus den großen Museen Deutschlands und dem erstmals gezeigten größten Schatz aus seinem Eigenbestand lädt das Barmstedter Museum zur Vernissage am Samstag, 18. April, um 11 Uhr.

Heinrich Rantzau (1526–1598) FOTO: WIKIDATEN.ORG
Heinrich Rantzau, der große Protagonist der Renaissance im Norden. Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit, hat das Land in die Moderne geführt und prägt damit Lebenswelt und Selbstverständnis der Holsteiner bis heute. Gelehrter, Politiker, Amtmann des dänischen Königs in dessen holsteinischen Besitzungen, europäischer Großfinanzier und vielfacher Bauherr – er ist das Beispiel eines universalen Geistes, dem Idealbild der Renaissance.
Der Astronom und Astrologe Heinrich Rantzau
Gleich vier Holsteiner Museen und viele Kolloquien begleiten Heinrich Rantzau durch das Jahr seines 500. Geburtstages. Das Museum der Grafschaft Rantzau aber widmet sich dem Kernthema zum Verständnis des großen Reformers und seiner Zeit: dem Astronomen und Astrologen Heinrich Rantzau. Denn es war gerade die Himmelsbeobachtung und die neuartige, weil evidenzbasierte Suche nach ihren Gesetzmäßigkeiten, mit denen sich der Mensch aus den Glaubensgewissheiten des Mittelalters befreit hat.
Rantzau-Ausstellung zeigt restauriertes „Ranzovianum Calendarium“
Die vergoldete Planetentafel aus seinem Besitz macht das so faszinierend greifbar wie eine Replik seines Astrolabiums, eines mechanischen Wunderwerks der Renaissance. Vor allem ist jedoch das Ranzovianum Calendarium, sein frisch restauriertes astronomisches Bestimmungsbuch, der größte Schatz aus dem Eigenbestand des Museums, der nun erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wird. Dieses überaus seltene, kulturhistorisch wertvolle Beispiel der frühen wissenschaftlichen Literatur wird zwar nur unter Glas ausgestellt. Die Besucher werden dafür in einem Faksimile blättern können: in einem der ersten Zeugnisse der frühen wissenschaftlichen Literatur Europas.

Ein großer Moment für das Museum der Grafschaft Rantzau im Juni 2025: Julia Dix-Kruse und der damalige Vorsitzende Jan Teegen präsentieren das Ranzovianum Calendarium von Heinrich Rantzau. ARCHIVFOTO: MICHAEL BUNK
Ebenso spannend ist, dass das Rantzauer Museum nicht nur eintaucht in die europaweit korrespondierende Gelehrtenwelt der Renaissance, für die Heinrich Rantzau der bedeutendste Akteur des Nordens war. Es stellt sie auch in den Kontext mit der konkreten Lebenswelt der einfachen Holsteiner Menschen: Ein neues Stadtmodell aus der Museumswerkstatt veranschaulicht das Barmstedt des 16. Jahrhunderts, akkurat aufgebaut mithilfe des Höferegisters – dem Gedächtnis der Stadt im Fundus des Museums.

Im Bau: Mit dem neuen Stadtmodell werden Michael Theilig (links) und Hans-Albrecht Hewicker (r.), Michael Hein fehlt auf dem Bild, nicht nur Heinrich Rantzau, sondern auch Holstein und das Barmstedt seiner Zeit erklären. FOTO: PIERRE DROSTE
Die erste Landesbeschreibung Holsteins aus der Zeit Heinrich Rantzaus schlägt den Bogen über das ganze Herzogtum. Diese wohnzimmergroße Karte ist die erste wissenschaftliche Beschreibung der Region, gezeigt als Replik des einzigartigen Zeitdokuments aus dem Fundus des Landesmuseums Schloss Gottorf.
Die ersten Pfähle der Barmstedter Schlossinsel als Keimzelle Barmstedts
Noch tiefer in Barmstedts Vergangenheit taucht die Ausstellung mit den Eichenpfählen des Mühlendamms ein. Die Ausgrabungsfunde wurden per Radiokarbonanalyse auf das Jahr 1210 (+/- 50 Jahre) datiert, und damit nur kurz nach der ersten dokumentierten Erwähnung der Stadt. Es sind diese Pfähle, die aus der Schlossinsel erst eine Insel gemacht haben. Und mit der gestauten Krückau und ihrer Mühle Barmstedt nicht nur zum herrschaftlichen, sondern zum wirtschaftlichen Zentrum seiner Region: Sucht man nach der Keimzelle der Stadt – es sind diese Holzpfähle.
Interessant wird zum tieferen Verständnis dann auch ein Ausflug in die Dauerausstellung, wo das Stadtmodell des 19. Jahrhunderts die Entwicklung Barmstedts bis heute erfahrbar macht. Dies alles ist ab diesem Samstag in der neuen Sonderausstellung im Museum der Grafschaft Rantzau zu sehen.
