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Das haben die Barmstedter in den vergangenen Jahrhunderten getragen

Quelle: Barmstedter Zeitung vom 16.05.2026

Christine Wünsche vom Museum der Grafschaft Rantzau Barmstedt lässt einen ersten Blick in den neu gestalteten Textilienraum zu.
FOTO: MICHAEL BUNK

Noch ist die Tür im ersten Stock des Museums der Grafschaft Rantzau geschlossen. Erst am Samstag, 16. Mai, wird aufgeschlossen. Unsere Redaktion durfte aber schon vorab einen Blick auf die textilen Schätze werfen.

Zwei Jahre hat die Renovierung gedauert. Neuer Fußbodenbelag rein. Ein frischer Anstrich für alle Wände. Elektrische Kabel teils erstmals verlegt. Alles ehrenamtlich. Und so ganz nebenbei hat eine Arbeitsgruppe um Barbara Leisner und Christine Wünsche die Ideen für den Raum mit der Dauerausstellung Textil im ersten Stock des Museums der Grafschaft Rantzau auf der Barmstedter Schlossinsel entwickelt. Unterbrochen nur von der nötigen Renovierung einiger Fenster in dem ehemaligen Amtsgericht. Am Samstag, 16. Mai, ist die offizielle Eröffnung.

Erst Sanierung „light“, dann ein neues Konzept

„Wir haben jetzt doppelt so viel Platz wie vorher“, freut sich Leisner über das vergleichsweise üppige Raumangebot. Was auffällt: Die Fenster sind allesamt abgedeckt. Zwei mit historischen Bildern – einmal eine aufwendig gestaltete Tracht, einmal Alltagskleidung – und eines mit einer Schrifttafel zum Thema Aussteuer. „Ultraviolettes Licht ist schädlich für die Textilien“, erklärt Leisner, warum die Sonne ausgesperrt bleibt. Selbst das Kunstlicht ist gedimmt.

Sie gehören zur achtköpfigen Gruppe, die für die Neugestaltung des Dauerausstellungsraums mit den textilen Schätzen verantwortlich zeichnet: Christine Wünsche (von rechts), Barbara Leisner, Jutta Rauchschwalbe und Hans-Henning Vollborn. FOTO: MICHAEL BUNK

In den Vitrinen zeigt das Museum verschiedene Trachtenteile aus den vergangenen Jahrhunderten. Darunter sind eine Reihe kostbar bestickter Hauben und von Hand gefertigte Beiderwand-Röcke, wie sie bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts von Frauen getragen wurden. Die Herren zogen halbe Hosen und Samtweste an.

Auffällig: Es ist nur Sonntagsbekleidung ausgestellt. Hans-Henning Vollborn, der wie immer fast alle handwerklichen Arbeiten übernahm, hat dafür eine einfache Erklärung: „Alles andere wurde aufgetragen.“

Sonntagskleidung blieb erhalten, Arbeitssachen wurden aufgetragen

Einige Stücke präsentiert das Museum erstmals der Öffentlichkeit. „Manches war über Jahrzehnte unter Verschluss“, sagte Christine Wünsche. Man könne Teile der Ausstellung im Laufe der Zeit noch austauschen, so viel Material lagert noch in den Schränken des Archivs.

Manches war über Jahrzehnte unter Verschluss.

Christine Wünsche
Museumsverein

Schon im alten Textilraum zu sehen war die Vitrine mit dem Blaudruck – nun allerdings mit deutlich mehr Informationen versehen. Trotzdem ist die Ausstellung wenig textlastig. Die Infos werden über drei digitale Bilderrahmen eingespielt. So modern ist kein anderer Raum in der Dauerausstellung ausgestattet.

Trachten vom Kreislandfrauenverein

Vergleichsweise modern sind die offen ausgestellten Trachten, die das Museum von der Trachtengruppe des aufgelösten Landfrauenvereins Kreis Pinneberg übernommen hat. Sie sind in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts angefertigt worden, allerdings nach alten Schnitten und mit gewebten Stoffen.

Vor fünf Jahren standen „Textile Schätze“ sogar im Zentrum einer Sonderausstellung im Museum. Viele Trachten und weitere historische Kleidungsstücke hatten die Museumsmacher zuvor in einem bis dahin wenig beachteten Schrank im Erdgeschoss des ehemaligen Amtsgerichts entdeckt. Kuratiert hatte diese Ausstellung im früheren Gerichtssaal ebenfalls Barbara Leisner.