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Neue Führungsspitze fürs Barmstedter Museum: Was sie vorhat und wo die Probleme liegen

Quelle: Barmstedter Zeitung vom 26.12.2025

Julia Dix-Kruse (links) und Kirsten Busse möchten sich die Aufgaben im Vorstand des Museumsvereins gleichberechtigt teilen.
FOTO: NICOLE WOLLSCHLAEGER

Julia Dix-Kruse und Kirsten Busse führen den Museumsverein des Barmstedter Museums der Grafschaft Rantzau seit Dezember gemeinsam. Sie planen neue Ausstellungen und möchten mehr Besucher aus Barmstedt gewinnen.

Sie verstehen sich als gleichberechtigte Doppelspitze. Julia Dix-Kruse und Kirsten Busse teilen sich seit Dezember die Führung des Museumsvereins des Museums der Grafschaft Rantzau. Zwei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise den Weg in das ehemalige Amtsgericht gefunden haben.

Dix-Kruse hat Wurzeln in der Reenactment-Szene

Die 1. Vorsitzende Dix-Kruse wohnt in Seeth-Ekholt und kam 2022 zu dem Verein. Ihr Hobby führte sie an den Barock-Tagen auf die Barmstedter Schlossinsel. Nicht als Besucherin, sondern als Darstellerin. Sie möchte Geschichte lebendig werden lassen und ist aktiv in der sogenannten Reenactment-Szene unterwegs. Die Menschen haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben vergangener Zeiten “nachzustellen”. Spezialisiert hat sie sich auf den Alltag der Kinder. “An dem Wochenende hat mich Michael Theilig angesprochen”, erzählt die dreifache Mutter.

Die 45-Jährige ist in Schleswig aufgewachsen. Doch das Mittelalter fand sie immer schon spannender als die Zeit der Wikinger. Im selben Jahr, in dem sie zu dem Verein stößt, absolviert sie eine Zertifizierung zur Museumspädagogin. Pünktlich zum Abschluss des einjährigen Lehrgangs wechselt sie in den Vorstand.

Julia Dix-Kruse (links) und Kirsten Busse vor den Türen des Museums.
FOTO: NICOLE WOLLSCHLAEGER

Nicht nur ihre Ausbildung zur Mediengestalterin kommt ihrer neuen Aufgabe zugute, sondern auch die Tatsache, dass sie zweisprachig aufwächst. “Ich spreche Deutsch und Dänisch.” An einem Ort, der einst unter dänischer Verwaltung stand, ist das sicher von Vorteil.

Wir müssen uns nicht hinter den großen Museen verstecken.

Kirsten Busse
2. Vorsitzende Museumsverein Barmstedt

Mit Kirsten Busse als 2. Vorsitzende steht ihr fortan eine versierte Partnerin zur Seite. Als Gründungsmitglied des Vereins zählt Busse zu den Initiatoren, die es sich seit 2019 zur Aufgabe gemacht haben, das Museum wiederzubeleben. Die gebürtige Hamburgerin lebt seit 1988 in Barmstedt. “Ich fand die Schlossinsel immer schon faszinierend”, erzählt die 62-Jährige, die auch Mitglied im Verein der Freunde und Förderer der Barmstedter Schlossinsel ist.

Busse ist Museen von Kindheit an verbunden

Ihre Liebe zu Museen kommt nicht von ungefähr. “Mein Großvater war Mitglied im Förderverein des Altonaer Museums. Er hat mich als Kind oft dahin mitgenommen.” Vereinsarbeit scheint ihr im Blut zu liegen, und als langjährige Vorsitzende des Awo-Ortsvereins in Barmstedt weiß sie, was auf sie zukommt. “Wir müssen uns nicht hinter den großen Museen verstecken”, sagt Busse, die in der Barmstedter Finanzverwaltung arbeitet.

Mit viel Zeit und Fachwissen stellen die Vereinsmitglieder die einzelnen Sonderausstellungen zusammen. “Jeder hat so sein Fachgebiet”, erklärt Dix-Kruse, die inzwischen an der Gottfried-Semper-Schule als Berufscoach tätig ist. “Als kleineres Haus können wir schneller neue Dinge ausprobieren und sind flexibler in der Gestaltung”, ergänzt sie.

Als kleineres Haus können wir schneller neue Dinge ausprobieren und sind flexibler in der Gestaltung.

Julia Dix-Kruse
Vorsitzende Museumsverein Barmstedt

Für ihre laufende Amtszeit haben sich die beiden einiges vorgenommen. In 2026 möchten sie erneut die Museumszertifizierung vom Land Schleswig-Holstein erhalten. Die erste erfolgte 2022. Die nächste Ausstellung widmet sich Heinrich Rantzau und soll zu dessen 500. Geburtstag im März 2026 eröffnet werden.

Ihr Ziel: Mehr Besucher aus Barmstedt anlocken

Außerdem möchten die beiden Frauen mehr Barmstedter ins Museum locken. “Die meisten Besucher kommen von außerhalb”, erklärt Dix-Kruse. Mit Führungen und interaktiven Angeboten wie “Dööntje vertellen” wollen sie Schwellenängste abbauen.

Zudem entstehen im Obergeschoss gerade zwei neue Ausstellungsräume. Die Unterstützung der Vereinsmitglieder und der vielen Ehrenamtlichen, die am Wochenende die Öffnungszeiten des Museums besetzen, haben sie. “Ohne sie wäre das alles nicht möglich”, betont Busse. Denn das Museum wird hauptsächlich aus Spenden finanziert.

Beide wollen die Fußstapfen von Jan Teegen ausfüllen

Die Doppelspitze ist bereit, das Erbe von Vorgänger Jan Teegen anzutreten. “Er hat einen super Job gemacht”, sagt Busse anerkennend und ist sich sicher: “Nun wird es Zeit, dass wir unsere eigenen Spuren hinterlassen.”